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Vorwort

sonne:reptilien

Die Bedeutung von Sonnenlicht in der Terraristik

Bei der Reptilienhaltung stellt sich immer die Frage, welches Haltungskonzept richtig ist. Das betrifft die Größe des Terrariums, Bodengrund, Strukturierung, Temperaturgradient, Luftfeuchtigkeit und natürlich auch die Beleuchtung. Hierzu existieren viele Erfahrungsberichte von Haltern, die als bewährte Rezepte dienen können. Teilweise unterscheiden sie sich stark. Ein großer Teil dieser Unterschiede ist sicher darin begründet, dass die Halter unbewusst Rahmenbedingungen schaffen, die Mängel in ihrer Haltung ausgleichen. Ein Halter, der sein Terrarium nur wenig beleuchtet hat dieses vielleicht gleichzeitig nahe am Fenster mit natürlichem Tageslichteinfall stehen. Ein anderer Halter, der auf UV-Beleuchtung verzichtet führt gleichzeitig Vitamin D3 in ausreichender Menge über ein Vitaminpräparat zu. Zimmertemperaturen, Lichteinfall, Luftfeuchtigkeit im Haus und viele andere Gegebenheiten können unterschiedlich sein. Das macht es schwierig diese Haltungsparameter als allgemeingültiges Rezept zu übernehmen.

Zusätzlich haben unterschiedliche Halter ganz verschiedene Ansichten dazu, was sie als Haltungserfolg zählen. Ist es das reine Überleben eines Tieres über mehrere Monate oder Jahre? Ein einzelner Nachzuchterfolg? Nachzuchten über mehrere Generationen? Manchmal zeigen Obduktionen nach dem Tod des Tieres oder Untersuchungen aus einem anderen Grund massive organische Folgen einer falschen Haltung obwohl das Tier auf den Halter fit und gesund gewirkt hat und ebensolche Jungtiere hervorgebracht hat. Ein weiterer Aspekt, der es schwierig macht, sich auf diese Einzelerfahrungen zu stützen, ist gerade der Aspekt der Einzelerfahrung. Hier ist immer unklar ob gute Haltungserfolge Zufall waren oder tatsächlich auf die Haltungsparameter zurück zu führen sind.

Wissenschaftliche Studien versuchen durch ihre strukturierte Vorgehensweise und klar definierte Erfolgsparameter diese Defizite zu vermeiden. Leider gibt es nahezu keine gesicherten wissenschaftlichen Ergebnisse, wie eine gute Terrarienbeleuchtung für eine spezielle Art aussehen muss. Die meisten Studien werden nur an sehr wenigen Tieren durchgeführt und geben oft keine eindeutigen Resultate.

Für den Halter bedeutet das, dass er aus persönlichen Erfahrungen anderer Halter, seinen eigenen Erfahrungen und Beobachtung der Reaktion seiner Tiere und Erkenntnissen aus wissenschaftlich durchgeführten Studien, seine eigenen Schlüsse ziehen muss. Je nach dem, welche Aspekte er als wichtiger oder weniger wichtig und welche Ergebnisse er als überzeugender oder weniger überzeugend gewichtet, wird er zu anderen Schlüssen kommen.

In meinen Augen ist ein weiteres, sehr wichtiges, Argument bei der Entscheidung zwischen „richtig“ und „falsch“, die Lichtsituation im natürlichen Lebensraum der Tiere. Das Sonnenlicht ist die primäre Energiequelle auf der Erde. Reptilien sind als wechselwarme Tiere viel mehr als Säugetiere auf diese Energiequelle angewiesen. Gleichzeitig ist diese Ressource nahezu kostenlos, bis auf die Gefahr der Austrocknung und die Exposition im direkten Sonnenlicht und damit vor den Augen von Fressfeinden, ist das Sonnenbaden mit keinen weiteren Nachteilen verbunden. Evolution ist kein „intelligent Design“, dennoch liegt man in den meisten Fällen richtig, wenn man annimmt, dass diese natürlichen Bedingungen auch gleichzeitig die optimalen Bedingungen darstellen. Eine Art, die sich bei hohen Licht- und UV-Mengen entwickelt hat, wird ihren Organismus mit großer Wahrscheinlichkeit so ausgerichtet haben, dass sie auf diesen hohen Licht und UV-Mengen angewiesen ist um langfristig gesund zu bleiben. Die natürlichen Bedingungen als Referenz im Terrarium zu nutzen ist daher mit großer Wahrscheinlichkeit richtig.

Es existieren natürlich immer Punkte, in denen die Haltung vom Leben im Habitat abweicht. Tierärztliche Versorgung ist ein Aspekt, bei dem fast alle zustimmen, dass er richtig ist, obwohl er nicht dem Gegebenheiten im Habitat entspricht. Ein anderer Punkt, wo Habitat und Haltung oft abweichen ist die Lichtmenge. Ein Terrarium, dass tatsächlich mit 1120W/m² sichtbarer, UV und IR-Strahlung bestrahlt wird, wird in den meisten Fällen in kurzer Zeit überhitzen weil die Kühlung durch Verdunstung, die Wärmekapazität des Bodens, etc. fehlen. Hier muss der Halter Kompromisse eingehen und von der „richtigen“ Bestrahlungsstärke abweichen.

Ich denke, dass eine solche Abweichung von natürlichen Bedingungen möglich und oft auch nötig ist. Sie sollte aber immer begründet sein! So lange keine Begründung vorliegt, gelten die natürlichen Bedingungen als Maßstab für die Haltung in Gefangenschaft.

Der gegensätzlichen Argumentation, dass eine Haltung, die nicht den natürlichen Parametern entspricht, so lange als richtig gilt, bis ihr nachgewiesen wurde, dass sie Schäden verursacht, kann ich mich nicht anschließen.

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sonne/reptilien.txt · Zuletzt geändert: 2014/03/08 18:11 (Externe Bearbeitung)

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