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Licht-im-Terrarium.de

Vorwort

led:reptilien

Beurteilung von LEDs für Reptilien

Weiße Standard-LEDs

In der Reptilienhaltung gelten für mich andere Maßstäbe als bei der Wohnraumbeleuchtung.

In der Wohnraumbeleuchtung sind LEDs mittlerweile zu Recht die bevorzugte Lichtquelle. Sie verbrauchen weniger Energie und erzeugen weniger Wärme als Glühbirnen, die inzwischen ja auch nicht mehr erhältlich sind. Hochdruckentladungslampen, die wir in der Terraristik selbstverständlich einsetzten, eignen sich für das Wohnzimmer nicht, weil sie oft zu hell sind und nach dem Ausschalten erst abkühlen müssen. Leuchtstoffröhren brauchen zu viel Platz und erzeugen eine sterile Büroatmosphäre. Helle Energiesparlampen sind zu klobig und passen nicht in die Leuchten, die für Glühbirnen entwickelt wurden. Das Quecksilber ist giftig und es besteht Gesundheitsgefahr, wenn eine heiße Lampe zerbricht, beispielsweise weil sie ein Kind oder Haustier umwirft. LEDs dagegen sind klein, sofort hell, dimmbar und im Betrieb ungiftig. Inzwischen gibt es auch viele LEDs mit einem hervorragenden weißen Licht, das dem Glühbirnenlicht in nichts nachsteht. Die EU-Verordnung 1194/2012 verbietet bereits LEDs mit einem Farbwiedergabeindex unter 80 für die Wohnraumbeleuchtung (auch wenn solche LEDs weiterhin in manchen Onlineshops zu finden sind). Der technische Fortschritt bringt hoffentlich bald ausreichend helle LEDs für die üblichen Fassungen im Wohnraum mit einem allgemeiner Farbwiedergabeindex >90, einem hohen Farbwiedergabeindex R9 für rotes Licht und flackerfreien Betrieb. Informatives Blog zu LEDs als Wohnraumbeleuchtung: fastvoice.net

Die hohe Lichtqualität der LEDs gilt aber nur für das menschliche Auge. Das Sehspektrum (⇒ Kapitel Sehvermögen) von Reptilien decken die allermeisten LEDs nur sehr schlecht ab. Das Spektrum aller normalen weißen LEDs hat das kurzwellige Ende bei etwa 420 nm. Das ist technologisch bedingt und ändert sich auch nicht wenn durch andere Leuchtstoffe der Farbwiedergabeindex auf über 95 erhöht wird. Da Reptilien den Bereich zwischen 350 und 400 nm als zusätzliche Farbe wahrnehmen, kann eine solche LED für Reptilien nicht weiß wirken, sondern wird immer stark farbig erscheinen. Man kann ausrechnen, dass LEDs für Reptilien die gleiche Farbe haben wie Licht mit 485 nm – für den Menschen ist dieses Licht türkis. Aus diesen Grund empfehle ich LEDs nicht für Terrarienbeleuchtung. Zu den voraussichtlichen Folgen einer solchen farbigen Beleuchtung auf Reptilien: Kapitel Sehen: Abschnitt UV - Versuch einer Anologie: Was bedeutet es, UV nicht sehen zu können?

LEDs mit „reduziertem Blauanteil“ / violetter Leuchtstoffanregung

Normale weiße LEDs erzeugen zuerst blaues Licht mit ca 430 nm Wellenlänge, welches dann von einem oder mehreren Leuchtstoffen in grünes bis rotes Licht umgewandelt wird. Im Gesamtspektrum der LED bleibt dann ein höherer Blau-Anteil übrig. Dieser kann auf der menschlichen Netzhaut zu Schäden führen (⇒bluelight). Es gibt daher auch LEDs, die statt blauen Lichts mit 430 nm violettes Licht mit 410 nm Wellenlänge erzeugt. Der weitere Mechanismus mit dem Leuchtstoff bleibt gleich. Im Gesamtspektrum ist weniger schädliches blaues Licht vorhanden. Für Reptilien erstreckt sich das Gesamtspektrum etwas weiter in den UVA-Bereich. Der Ansatz klingt grundsätzlich interessant, mir erscheint der Effekt auf den Werbegrafiken der Hersteller aber eher gering. Zudem ist die Effizienz dieser LEDs geringer, was die Betriebskosten erhöht. Gegenüber alternativen Lampen sinkt damit die Attraktivität.

Spezial-LED-Systeme für Reptilien

Natürlich ist es technisch möglich auch LED-Systeme zu bauen, die ein hervorragendes Spektrum im gesamten für Reptilien sichtbaren Bereich haben. Diese LED-Systeme bestehen aus vielen sehr dicht gepackten Einzel-LEDs, deren unterschiedliche Farben sich zu einem sonnenähnlichen Licht mischen sollen. In diesem Beispiel sind es 26 unterschiedliche LEDs die sich zusätzlich so ansteuern lassen, dass auch die unterschiedlichen Sonnenspektren verschiedener Tagesphasen nachgebildet werden können. Diese LED-Systeme sind jedoch sehr viel weniger effizient als Leuchtstoffröhren oder hqi-Strahler. Zusätzlich sind sie sehr viel teurer als hqi-Strahler und Röhren und werden diese höheren Anschaffungskosten wohl auch nicht durch eine längere Lebensdauer ausgleichen.

Es gibt inzwischen einige Hersteller, die einen Mittelweg versuchen. Econlux (Solar Raptor) bietet einen Reptile Sunstrip UVA an, bei dem auf neun weiße LEDs eine UVA-LED (368 nm) kommt. MaxSpect bietet LED-Aquarienbeleuchtung mit zusätzlichen blauen und UVA LEDs. Das Gesamtspektrum wirkt aber meist nicht sehr sonnenähnlich. Da die UV LEDs nur vereinzelt in der Leuchte angebracht werden, ist fraglich, ob die Lichtverteilung insgesamt farblich wirklich homogen wird. Ich vermute sehr stark farbige Schatten1), stärker noch als bei der Philips "LivingColors". Auch bei der Kombination von LED-Strahlern mit hqi-Strahlern oder Leuchtstoffröhren glaube ich nicht, dass sich das Licht “mischt”.

Alternativen

Es gibt inzwischen zwar viele LEDs, die Leuchtstoffröhren und hqi-Strahler im Punkt Lumen-pro-Watt weit übertreffen, selbst dann, wenn man auch den Verbrauch der Vorschaltelektronik und einer möglichen Kühlung berücksichtigt. Inzwischen schaffen es auch einige LEDs, Leuchtstoffröhren und Metallhalogeniddampflampen bei den Gesamtkosten zu übertreffen. Allerdings haben diese LEDs in der Regel eine sehr ungünstige spektrale Lichtverteilung und wirken oft auch für das menschliche Auge sehr unangenehm. Hochwertige LEDs sind dann in der Gesamtkostenrechnung oft doch teurer (⇒ Kostenrechner).

Mit hqi-Strahlern haben wir in der Terraristik eine Lampe, die kostengünstig ist und Licht mit einer Helligkeit und einer spektralen Verteilung abstrahlt, die dem Sonnenlicht sehr nahe kommt. In allen Terrarien, in denen eine hohe Helligkeit gewünscht ist, halte ich hqi-Strahler für die sinnvollste Beleuchtung. Wenn gleichzeitig die Wärmeentwicklung gering sein soll, sollten zuerst alle Glühbirnen im Terrarium durch hqi.Strahler ersetzt werden.

Vollspektrum-Leuchtstoffröhren mit UVA-Anteil bieten ebenfalls Licht im gesamten Sehbereich von Reptilien und sind ebenfalls nicht wesentlich teurer als LEDs. Auch die Wärmeentwicklung dieser Lampen ist bei gleichen Wattzahlen ähnlich gering wie bei LEDs, insbesondere dann, wenn man das Vorschaltgerät aus dem Terrarium entfernt. HE-Leuchtstoffröhren mit EVG außerhalb des Terrariums würde ich einer LED immer dann vorziehen, wenn keine zusätzliche Wärme ins Terrarium soll.

Lediglich dann, wenn so lokal so wenig Licht (< 1350 Lumen) notwendig ist, dass eine 14W HE-Röhre noch überdimensioniert ist und gleichzeitig Wärme verhindert werden muss, bleiben lediglich LEDs für diese Anwendungsniesche übrig.

Zu LEDs als “Mondlicht” siehe speziell auch Mondlicht.

Literatur

[1092] Pyrometer-Handbuch: Berührungslose Temperaturmessung: Firmenschrift der IMPAC Infrared GmbH.
[1094] JOHN W. SALISBURY & DANA M. D'ARIA. 1992. Emissivity of terrestrial materials in the 8–14 μm atmospheric window. Remote Sensing of Environment 42.2. 83–106. . https://dx.doi.org/10.1016/0034-4257(92)90092-X.
[1093] thermoMETER Handheld.
[912] Leitfaden LED. Deutsche Bau Zeitschrift.
[940] SARINA WUNDERLICH. Nov 2015. LEDs - wirklich die bessere Alternative in der Terrarienbeleuchtung? Terraria/Elaphe 56. 26–34.

1)
Erklärung warum farbige Schatten entstehen: http://www.chemiephysikskripte.de/schatten/schatten.htm

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led/reptilien.txt · Last modified: 2019/02/25 14:49 by sarina