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Licht-im-Terrarium.de

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sonne:mondlicht

Mondlicht

Vollmond mit Wolken. Der Vollmond ist gelblich-weiß, nicht blau.

Sobald der Sonnenstand etwa -10° beträgt, erreicht an der Atmosphäre gestreutes Sonnenlicht die Erde nicht mehr [70] und nur noch das Licht von Mond und Sternen erhellt die Erdoberfläche.

Spektrum (Farbe)

Der Mond reflektiert hierbei das Sonnenlicht auf die Erdoberfläche. Das Spektrum des Mondlichts ist naturgemäß dem Spektrum des Sonnenlichts sehr ähnlich, jedoch werden kürzere Wellenlängen stärker abgeschwächt. Die Farbtemperatur beträgt etwa 4500K. Mondlicht ist dem Sonnenlicht extrem ähnlich. Eine Landschaft mit Vollmond, die mit einer entsprechend langen Belichtungszeit aufgenommen wurde, wirkt auf den ersten Blick wie ein Foto am helllichten Tag. Beispiele: Landschaft in West-Texas, 30s, f/3.5, ISO 800, See im Herbst in Illinois, 8s, f/8, ISO 200, Mondaufgang, 30s f/22 ISO 100, Landschaft, 30s, f/2.5 ISO 250

Spektrum Vollmond [70]

Blaues Mondlicht?

„De sterrennacht“ von van Gogh zeigt eine vom Halbmond blau beschienene Landschaft.

Auch wenn obige Bilder und Spektralmessungen des Monlichts klar zeigen, dass Mondlicht gelblich-weiß ist und keinesfalls blau, hat sich in vielen Köpfen die Vorstellung festgesetzt, das Mondlicht sei blau. Woher diese Vorstellung kommt, ist mir unbekannt. Sie ist um so überraschender, als wir bei so wenig Licht sowieso keine Farben mehr sehen können („nachts sind alle Katzen grau“).

Vielleicht liegt es daran, dass Blau eine sehr dunkle Farbe ist, und wir die dunkle Nacht daher gerne gedanklich Blau einfärben, auch wenn es eigentlich so dunkel ist, dass Menschen keine Farben mehr sehen können.

Vielleicht setzen wir auch unsere Erfahrung aus der Dämmerung fort: In der Dämmerung steigt die Farbtemperatur stark an. Sobald die rot-glühende Sonne verschwunden ist bleibt nur das in der Atmosphäre gestreute Licht übrig, das einen hohen Blauanteil hat. Wenn es schließlich immer dunkler wird und der Mond als Lichtquelle in den Vordergrund tritt, ändert sich die Farbtemperatur wieder zu einem gelblich-weißen Wert von 4500 K. Da wir nachts keine Farben sehen können, bemerken wir diese Farbänderung nicht und schätzen aus unserer Dämmerungs-Erfahrung vielleicht ab, dass auch das Mondlicht bläulich sein muss.

Die Hellempfindlichkeit des menschlichen Auges hat beim Tagsehen ihr Maximum bei 555 nm (grün). Die Hellempfindlichkeit beim Nachtsehen hat ihr Maximum bei 505 nm (türkis). Diese Tatsache ist auch als Purkinje-Effekt bekannt. Bläulichere Farben erscheinen bei extrem schwacher Beleuchtung daher heller als sie es bei normaler Beleuchtung tun. Zwar sehen wir bei so schwacher Beleuchtung keine Farben mehr, wissen aber aus der Erinnerung, welche Gegenstände blau sind. Wenn diese nun heller erscheinen, könnte unser Gehirn auf die Idee kommen, das Licht sei bläulich.

Helligkeit

Je nach Mondphase ist von der Erde aus eine unterschiedlich große beleuchtete Fläche des Mondes zu sehen. Bei Vollmond ist die sichtbare Fläche doppelt so hoch wie bei Halbmond. Dennoch ist die Helligkeit des Vollmondes nicht doppelt sondern zehn mal so hoch, wie die des Halbmondes. Grund hierfür ist der in der Astronomie als Oppositionseffekt bezeichnet Vorgang der kohärenten Rückstreuung und shadow hiding. Exakt bei Vollmond (Mondphase 0°) ist der Mond noch einmal 40% heller als wenige Stunden davor (Mondphase 4°)[804].

Die Beleuchtungsstärke durch den Vollmond liegt nur bei 0.0002% der Beleuchtungsstärke zur Mittagszeit, erscheint uns aufgrund des nichtlinearen Helligkeitsempfinden des Auges aber oft wesentlich heller, typische Werte sind:

Vollmond im Zenit 0.3 lx 0.14 µW/cm²
Vollmond [70] 0.21 lx 0.10 µW/cm²
Halbmond im Zenit 0.03 lx 0.014 µW/cm²
Neumond/Sternenhimmel 0.002 lx 0.001 µW/cm²

Lux-Werte bei Mondlicht lassen sich auf lunalink.de für verschiedene Standorte berechnen

LED Mondlichter

Gehäuft werden in den letzten jahren blaue LEDs als Mondlicht beworben. Diese Nachtbeleuchtung ist aus vielen Gründen unsinnig:

  • Eine blaue LED mit 0,1W Leistung und 120° Abstrahlwinkel erreicht in 30cm Abstand noch etwa 1lx bzw. 1.1µW/cm²1)), ist also 10 mal so stark wie ein wolkenlose Vollmondnacht, 100 mal so stark wie eine Nacht mit Halbmond und 1000 mal so hell wie einen Neumondnacht. Gängige Mondlichtlampen haben nicht nur 0,1 W sondern oft 0,5 bis 1 W Leistung. Und sie bestrahlen das Terrarium oft aus weniger als 30 cm Abstand. Auch wenn wir Menschen blau nur sehr dunkel wahrnehmen, ist eine solche Mondlichtlampe also oft 100 mal heller als der Vollmond - der ja auch nur eine einzige Nacht im Monat so hell scheint.
  • Blaues Licht steuert beim Menschen aber auch bei vielen anderen Lebewesen (selbst Schimmelpilzen) den Tag-Nacht-Rhythmus (⇒ Melatoninunterdrückung). Das LED-Mondlicht ist also nicht nur 100 mal so hell wie das Mondlicht, sondern auch noch genau auf den Bereich konzentriert, der dem Hormonsystem sagt, dass heller Tag ist. Nicht umsonst baut Philips einen Lichtwecker für den Menschen aus blauen LEDs. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird daher eine blaue Nachtbeleuchtung so in das Hormonsystem der Reptilien eingreifen, dass Ihnen die Zirbeldrüse vermittelt es sei heller Tag.
  • Mondlicht ist weiß - nicht blau. Viele nachtaktive Tiere haben ein hervorragendes Farbsehen bei sehr geringer Helligkeit. Während der Mensch keine Farben mehr unterscheiden kann, wenn es zu dunkel ist, schafft das ein nachtaktives Tier oft mühelos. Mit einer blauen Beleuchtung wird Farbsehen völlig verhindert, weil nur eine einzige Farbe zur Verfügung gestellt wird.
  • Der Mensch sieht blaues Licht schlecht. Nicht nur deshalb, weil blaues Licht auf uns sehr dunkel wirkt. Was noch entscheidender ist: Wir haben im Bereich des scharfen Sehens im Auge keine Fotorezeptoren für blaues Licht. Es fällt uns daher sehr schwer, bei blauem Licht scharf zu sehen. Bei rotem, gelbem oder grünen Licht wäre das kein Problem, aber blaues Licht können wir kaum scharf sehen. Wer also ein Terrarium nachts mit schwachem blauem Licht beleuchtet, um seine Tiere beobachten zu können, stellt sich selbst ein Bein. Mit schwachem roten, gelben, grünen oder weißen Licht könnte er seine Tiere sehr viel besser sehen.

Wenn ein Terrarium als tatsächlich nachts beleuchtet werden muss, sollte immer stark gedimmtes weißes Licht verwendet werden.

Literatur

[70] Smith, H. (1982) Light Quality, Photoperception, and Plant Strategy. Annual Review of Plant Physiology, 33 481–518.
[804] Buratti, B. J., Hillier, J. K. & Wang, M. (1996) The Lunar Opposition Surge: Observations by Clementine. Icarus, 124 490–499 URL http://dx.doi.org/http: ... /10.1006/icar.1996.0225.
[884] Goetz, M. 2014. Nachtbeleuchtung – warum wir Rot- oder Blaulicht vermeiden sollten. Unpublished paper read at 50. Jahrestagung für Herpetologie und Terrarienkunde, Bonn.

1) V(λ=470nm)=0.13; 0.13*680lm/W=0.8879lx/(µw/cm²

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sonne/mondlicht.txt · Zuletzt geändert: 2015/11/22 14:28 von sarina

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