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Vorwort

thermo:poikilothermie

Poikilothermie

Stoffwechselvorgänge benötigen normalerweise eine bestimmte Temperatur um optimal abzulaufen. Welche Temperatur das genau ist, hängt vom Stoffwechselprozess und von den Enzymen ab. Ist die Temperatur zu niedrig, ist Bewegung, Verdauung, Denken etc. nicht möglich. Auf der anderen Seite ist auch eine zu hohe Temperatur schädlich, da sie zu Gewebeschäden führt.

Säugetiere und Vögel halten ihre Körpertemperatur daher fest in einem recht engen optimalen Temperaturbereich. Beim Mensch sind das ungefähr 35 °C bis 38 °C Körperkerntemperatur im Tages- und Aktivitätsverlauf. Der Fachbegriff für diese konstante Temperatur ist gleichwarm oder homoiotherm von griechisch homoîos = ähnlich und thermós = warm. Diese konstante Körpertemperatur erreichen Säugetiere und Vögel durch Heiz- und Kühlmechanismen. Die benötigte Wärme erzeugen sie selbst (Fachbegriff endotherm von griechisch éndon = innen). Wenn nötig kann der Körper durch Schwitzen und weiten der außen liegenden Blutgefäße gekühlt werden. Den größten Teil der Kalorien, die ein Säugetier oder Vogel täglich mit der Nahrung aufnimmt, wird nur für die Erzeugung der nötigen Körperwärme verbraucht. Tiefseefische sind ebenfalls gleichwarm. Sie begnügen sich aber mit einer sehr viel geringeren Körpertemperatur, die der Umgebungstemperatur entspricht.

Amphibien und Reptilien sind im Gegensatz dazu wechselwarm. Ihre Körpertemperatur ändert sich im Tages- und Jahresverlauf sehr stark (Fachbegriff poikilotherm von griechisch poikilos = wechseln). Man spricht auch von Kaltblütern. Sie sind nicht in der Lage, ihre Körpertemperatur auf einem konstanten Wert zu halten. Trotzdem können poikilotherme Reptilien und Amphibien ihre Körpertemperatur beeinflussen, in dem sie sich an warmen oder kalten Orten aussetzen. Sie erhalten die Wärme von außen (Fachbegriff ektotherm von griechisch ektos = außen).

Dabei gibt es zwei ganz unterschiedliche Verhaltensmuster. Viele Reptilienarten wärmen sich morgens und dann mehrmals im Tagesverlauf in der Sonnenstrahlung auf. Man bezeichnet sie als heliotherm (von griechisch helios = Sonne). Andere Arten nutzen die Wärme des Bodengrunds oder des Wassers um sich aufzuwärmen (Fachbegriff thigmotherm von griechisch thígma = Berührung). Diese Verhaltensmöglichkeiten müssen Reptilien auch im Terrarium haben. Je nach Art müssen warme und helle Sonnenplätze zur Verfügung stehen, die die richtige Art von Wärmestrahlung liefern. Außerdem muss ein Temperaturgradient vorhanden sein, so dass das Tier sich an Orten mit unterschiedlicher Umgebungstemperatur aufhalten kann um auf diese Art seine Körpertemperatur zu regulieren. In beiden Fällen steuern Reptilien ihre Körpertemperatur durch ihren Aufenthaltsort in einem Temperaturgradienten. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass Thermoregulation in Konkurrenz zur Nahrungsaufnahme, Schutz vor Feinden, Balz und Paarung und sozialer Interaktion steht. [334]

Reptilien können auf eine Infektion genau wie Menschen mit einer erhöhten Körpertemperatur reagieren um so die Immunreaktion des Körpers zu unterstützen. Reptilien sind dazu natürlich auf eine äußere Wärmequelle angewiesen, ihr Fieber ist verhaltensgesteuert. Dieser Effekt ist seit den 1970ern bekannt [202]. Fieber wurde bei Schlangen, Echsen, Krokodilen und Schildkröten nach einer Injektion von abgetöteten Bakterien nachgewiesen.

Literatur

[334] Cadena, V. & Tattersall, G. J. (2009) The Effect of Thermal Quality on the Thermoregulatory Behavior of the Bearded Dragon Pogona vitticeps: Influences of Methodological Assessment. Physiological and Biochemical Zoology, 82 203–217 URL http://dx.doi.org/10.1086/597483.
[202] Vaughn, L. K., Bernheim, H. A. & Kluger, M. J. (1974) Fever in the lizard Dipsosaurus dorsalis. Nature, 252 473–474 URL http://dx.doi.org/10.1038/252473a0.

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thermo/poikilothermie.txt · Zuletzt geändert: 2015/11/22 12:07 von sarina

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